Kanban – Werkzeug zur Fertigungssteuerung

Wie durch Anzeigekarten Kosten reduziert werden können

18.11.2009 Sebastian Haberland

Obwohl Kanban für amerikanische Supermärkte entwickelt wurde, setzte es sich in den 1950er Jahren auch in Industrieunternehmen durch.

Das Wort Kanban kommt aus dem Japanischen und bedeutet Anzeigekarte. Dahinter verbirgt sich ein Werkzeug, durch welches sich Warenein- und Warenausgänge besser kontrollieren lassen. Ursprünglich für amerikanische Supermärkte entwickelt, adaptierte Toyota das System 1953 für Industrieunternehmen.

Der ursprüngliche Zweck von Kanban

Da die Regale in Supermärkten stets gefüllt sein sollten, entwickelten amerikanische Supermärkte Kanban. Dazu befestigten sie Kanban-Karten an den Artikeln, die an der Kasse in einem Kasten gesammelt wurden. Anschließend schickten die Kassierer diese an die Einkaufsabteilung. Hier konnte nachvollzogen werden, welche Produkte in welcher Menge verkauft wurden. Sie wurden dann in gleicher Menge bestellt und in die Regale gefüllt.

Durch den sich ergebenden Kreislauf, verringerten sich der Planungs- und der Transportaufwand, was zu einer erheblichen Kostenreduktion führte. Der Materialfluss und die Produktion wurden durch die Mitarbeiter gesteuert, wodurch das Planungs- und Transportpersonal sich auf die Überwachung und Optimierung des Systems beschränken konnte.

Kanban in Unternehmen

Eine der größten Schwierigkeiten bei der Integration von Kanban in Unternehmen, war es, Prioritäten für vorgelagerte Prozesse zu setzen. Die Nachfolgenden Prozesse holten große Mengen einzelner Teile ab, was zwar theoretisch möglich war, sich aber nicht mit dem Konzept der Lean Production, welches Toyota ebenfalls entwickelte, vereinbaren ließ. Hier wurden große Lagerbestände als Verschwendung angesehen, die es zu vermeiden galt.

Neben einer möglichst optimalen Transportsteuerung, wird durch Kanban auch versucht, diese Prozesse so gut wie möglich zu optimieren. So sollen mehrere Prozesse miteinander verknüpft und Verbesserungsvorschläge von Mitarbeitern eingebracht werden.

Transport- und Produktionskanban

Beim Kanban ist die vorgelagerte Produktionsstelle der Lieferant der nachfolgenden Produktionsstelle (Verbrauchsstelle). Ein Zwischenlager dient dabei als Puffer. Für jedes produzierte Teil gibt es sowohl einen Transport-, wie auch einen Produktions-Kanban. Der Transport-Kanban steuert den Materialfluss zwischen Verbrauchsstelle und Zwischenlager. Der Produktions-Kanban hingegen den Materialfluss zwischen produzierender Stelle und Zwischenlager. Beispiele für Objekte, die über Kanban-Karten gesteuert werden können sind:

  • Rohstoffe
  • Baugruppen
  • Enderzeugnisse
  • Verbrauchsmaterialien

Kanban richtig anwenden

Kanban sollte als Werkzeug verstanden werden, mit dessen Hilfe Produktionsprozesse optimiert werden können. Um dies zu erreichen, muss es richtig angewendet werden. Dabei können folgende Regeln helfen:

  1. Die Mitarbeiter eines Prozesses erhalten ihre Teile vom vorgeschalteten Prozess entsprechend den Kanban-Karten.
  2. Die Mitarbeiter fertigen Teile nach Kanban-Karten. Produziert wird immer in der Reihenfolge, in der die Arbeitskarten eintreffen.
  3. Sind keine Kanban-Karten vorhanden, wird nicht produziert oder transportiert.
  4. Zur visuellen Kontrolle werden die Kanban-Karten an den Teilebehältern angebracht und enthalten alle für die Produktion relevanten Informationen.
  5. Es kommen nur Teile von hundertprozentiger Qualität in den Behälter. Treten Fehler auf, wird die Linie gestoppt.
  6. Um Prozesse stärker miteinander zu verknüpfen, muss die Anzahl der Kanban-Karten mit der Zeit sinken. Dadurch wird auch das Lager verkleinert, was zusätzliche Kosten spart.

Kanban funktioniert nur bei guter Arbeitsplatzorganisation und Fließbandfertigung effektiv. Es ist kein eigenständiges System und sollte nur in Verbindung mit anderen Just-in-Time-Elementen verwendet werden. Auf diese wirkt Kanban unterstützend.

Quellen:

Kiyoshi Suzaki: Modernes Management im Produktionsbetrieb. Hanser Fachbuch, 1989. Gebundene Ausgabe, 243 Seiten.

Deutschle, Kühn, Schlick, Weber: Schwerpunkt Betriebswirtschaft Industrie, Fachstufe. Bildungsverlag EINS, 2005. Gebundene Ausgabe, 568 Seiten.

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